Folgeverbundwerkzeuge

Die Kernkompetenz des 80 Mitarbeiter starken Werkzeugbaus aus Sachsen liegt in der Herstellung von Folgeverbundwerkzeugen im mittleren Größenbereich bis 2500 mm. - Bild: Fischer

Bei der Angebotserstellung stehen zahlreiche Betriebe vor der Problematik, den Aufwand und die Kosten für den Auftrag richtig abzuschätzen. Auf der Suche nach einem marktgerechten Preis verlassen sich noch heute viele auf ihr Bauchgefühl oder auf willkürliche Erfahrungswerte. Nicht selten entpuppen sich die Werte dann als absolute Fehleinschätzung. Die Krux bei der optimalen Preisbildung ist, einerseits den Betrag nicht zu hoch anzusetzen, in der Gefahr, den potenziellen Kunden an die Konkurrenz zu verlieren, andererseits aber auch nicht zu niedrig, um kostendeckend wirtschaften zu können.

Konzentration auf das Spezialgebiet

Vorrichtung für ein Kunststoffspritzwerkzeug
Der Fischer Werkzeugbau fertigt unter anderem Kunststoffspritzwerkzeuge sowie Vorrichtungen. - Bild: Fischer

Beim 80 Mitarbeiter starken Werkzeugbau Fischer in Sachsen werden besonders Folgeverbundwerkzeuge im mittleren Größenbereich bis 2500 mm produziert, wobei hier Toleranzen im Hundertstelmillimeterbereich akzeptiert werden. Um künftig für ihre Kalkulation eine validere Basis zu bekommen, setzten die Verantwortlichen bei Fischer auf die Zusammenarbeit mit Studenten der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, die das Thema in etlichen Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten wissenschaftlich beleuchten sollten. Unter der Leitung von Professor Bertram Hentschel, TU Bergakademie Freiberg, und Hartmut Fischer, Geschäftsführer des Fischer Werkzeugbaus, erarbeiteten zahlreiche Studenten ein Programm zur Vorkalkulation aus, das dem Betrieb nun eine verlässliche Grundlage für die Kalkulation bietet.

Fischer berichtet: "Besonders zu Beginn war es schwer für uns, die Marktsituation richtig einzuschätzen und eine realistische Kostenanalyse zu betreiben. Im Endeffekt haben wir oft einen zu niedrigen Preis angesetzt." Mittels eines durchdachten Methodenplans ist es dank der engen Zusammenarbeit mit der TU Bergakademie Freiberg gelungen, eine numerische Berechnung der Kalkulationswerte zu etablieren. Hierbei wird zunächst ein Plan erstellt, wie und in welchen Schritten das Teil herzustellen ist, und ein Streifenbild entwickelt. Jeder Streifen wird dabei einzeln betrachtet und kalkulatorisch berechnet. "Das ermöglicht uns, relativ sichere Zahlen zu bekommen", stellt Fischer dar.

Zitat

"Unsere tatsächlichen Preise stimmen heute bis zu 90 Prozent mit unseren Einschätzungen bei der Vorkalkulation der Folgeverbundwerkzeuge überein." Hartmut Fischer

Hartmut Fischer
Hartmut Fischer, Geschäftsführer Fischer GmbH

Aus den abgeleiteten Werten wie Material, Streifenbreite, Blechstärke und Vorschublänge können die ersten Kenngrößen des Werkzeugs ermittelt werden. Damit baut sich ein Produktmodell auf, anhand dessen zu sehen ist, wie das Werkzeug später aussehen wird, welche Größe es hat und wie viele Stufen es benötigt. "So erhalten wir wichtige Aussagen über das Werkzeug des Kunden", erklärt der Geschäftsführer. "In diesem Stadium entsteht aber lediglich eine Kostenberechnung und noch keine Konstruktion", ergänzt er ausdrücklich. "Die erfolgt erst im nächsten Schritt."

Mit der Simulationssoftware Dynaform von eta simulieren die Techniker beim Fischer Werkzeugbau anschließend das Bauteil. Dank der Simulation ist es möglich, beispielsweise Falten- und Rissbildungen frühzeitig zu erkennen, was einen klaren Vorteil bringt: "Wir können unseren Kunden schnell Probleme aufzeigen, sie dahingehend beraten und ihnen unsere Lösungsvorschläge unterbreiten", berichtet Fischer. "Besonders wichtig ist, das gesamte Bauteil bis ins Detail durchzukonstruieren, damit nachträglich keine Probleme auftreten."