Jens Lüdtke, Tebis Consulting, Benedikt Ruf, Gindumac GmbH, und Claus Hornig, Inhaber Claho GmbH

Die Projektleiter der Initiative "Marktspiegel Werkzeugbau" (v.l.n.r.): Claus Hornig (Claho GmbH), Benedikt Ruf (Gindumac GmbH) und Jens Lüdtke (Tebis AG). - Bild: werkzeug&formenbau

Herr Lüdtke, wie kam es zur Idee „Marktspiegel Werkzeugbau“?

Jens Lüdtke: In meinem Beruf berate ich die verschiedensten Werkzeug-, Modell- und Formenbauer praxisnah mit Projekten im Bereich Prozessoptimierung, Effizienzsteigerung oder Zukunftskonzeption. Insofern habe ich seit vielen Jahren ein Ohr für die Branche. Ähnlich geht es Benedikt Ruf. Als Mitgründer und Geschäftsführer des Start-Up-Unternehmens Gindumac bekommt auch er tiefe Betriebseinblicke. Wir stellten sehr schnell fest, dass es der Branche vor allem an einem fehlt: an Vergleichbarkeit.

„Wir möchten den Führungskräften umsetzbare Handlungsempfehlungen in speziellen Analysefeldern mit an die Hand geben.“ Jens Lüdtke, Tebis AG

Und wie kann das Projekt dabei helfen?

Jens Lüdtke: Die Initiative eröffnet den praxisorientierten Unternehmensvergleich und damit Markttransparenz – sowohl für den Werkzeug- als auch den Modell- und Formenbau. Wir möchten aktuelle Trends aufzeigen und eine branchenspezifische Kennzahl formen. Das soll es Betrieben ermöglichen, sich im Vergleich zu Mitstreitern einzuordnen und letztlich den Führungskräften umsetzbare Handlungsempfehlungen in definierten Analysefeldern mit an die Hand geben.

Was bedeutet das?

Jens Lüdtke: Allen Unternehmen gemein ist der enorme Wettbewerbsdruck, den sie tagtäglich zu spüren bekommen. Was aber, wenn wir mit unserer Kompetenz und Unterstützung unseren Teil dazu beitragen können, die Branche des Werkzeug-, Modell- und Formenbaus im deutschsprachigen Raum zukunftsfähig aufzustellen? Hier setzen wir an.

Machen Sie mit!

Je mehr Werkzeug- und Formenbauunternehmen teilnehmen, desto valider lassen sich Aussagen treffen. Es ist eine Initiative von Werkzeug- und Formenbauern für Werkzeug- und Formenbauer - werden Sie Teil davon! Informieren Sie sich und nehmen Sie am besten noch heute Kontakt auf!

Wie haben Sie die ganze Sache nun zum Laufen gebracht?

Jens Lüdtke: Zuerst mussten wir unser Gründerteam um Claus Hornig erweitern. Als gelernter Werkzeugmacher und Unternehmensberater begleitet er täglich Werkzeug- und Formenbaubetriebe und ergänzt unsere Kompetenzen um die kaufmännische und betriebswirtschaftliche Komponente. Er blickt auf die Unternehmenskennzahlen, während ich alle Themen um Prozesse, Organisation und Stragie übernehme und Benedikt Ruf die Expertise zu Marketing, Kommunikation und Vertrieb stellt.

Damit wären die Grundlagen erstmal geschaffen ...

Jens Lüdtke: ... nicht ganz. Als Mitinitiator war nämlich auch der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) von Anfang an mit im Boot – es geht schließlich darum, mit dem „Marktspiegel Werkzeugbau“ die Zukunftsfähigkeit in der Branche aktiv zu fördern, sodass wir das Projekt gemeinsam weiterentwickelt haben. Schnell überzeugten wir 16 ausgewählte Verbandsmitglieder für unser Pilotprojekt. Mit der Messe Stuttgart als Partner wurde die Initiative Ende September 2018 zur Marktreife gebracht.

Herr Ruf, können Sie uns das genauer erklären?

Bendedikt Ruf: Wir haben sehr intensiv an unserem Marktspiegel-Konzept gearbeitet. Dabei sind im Wesentlichen zwei Indizes entstanden: Neben einem unternehmensspezifischen „Zukunftsindex“, kurz Zindex, der die Zukunftsfähigkeit der einzelnen Werkzeug-, Modell- und Formenbaubetriebe bestimmt, gibt es den sogenannten „Branchenindex“, Bindex. Der zeigt den Status Quo und die Entwicklungen der gesamten Branche. Teilnehmende Unternehmen erhalten einen Individual-Report mit konkreten Handlungsempfehlungen und einen allgemeinen Branchen- und Trendreport, der sich aus den gesamten Daten ergibt, die wir im Zuge unserer Recherchen abfragen.

Der allgemeine Teil könnte ja für alle sehr interessant sein ...

Bendedikt Ruf: Exakt. Deshalb wird dieser Report auch öffentlich verfügbar sein. Unser Ziel ist, alle zwei Jahre eine „MEX-Edition“ zu veröffentlichen mit aktualisiertem Bindex. Hier bietet uns die Messe Stuttgart mit der internationalen Fachmesse Moulding Expo eine tolle Plattform. Angefangen mit der Moulding Expo 2019 kann sich die Branche künftig im Zweijahresrhythmus einen spannenden Überblick über die aktuellen Branchentrends verschaffen.

Wie kann man aus 16 Unternehmen eine repräsentative Aussage für die Branche ableiten?

Bendedikt Ruf: Das ist in der Tat schwierig, und natürlich stehen wir am Anfang. Dennoch haben wir die Absicht, bis zur Moulding Expo im Mai 100 Teilnehmer für unsere Initiative zu gewinnen. Und wir sind auf einem guten Weg. Je mehr Daten wir heranziehen können, desto aussagekräftiger werden letztlich die Branchenergebnisse.

Wie werden die Daten erfasst und vor allem rechtlich geschützt?

Claus Hornig: Die Daten werden in der Regel von der Geschäftsführung der Unternehmen erhoben, klassich per Excel-Fragebogen. Je nach Kenntnisstand lassen sich die Fragen in wenigen Stunden beantworten. Jeder Report wird bei uns schon zu Beginn mit einer Teilnehmer-ID versehen und anonymisiert. Das führt so weit, dass auch wir drei Gutachter bei den Analysen nicht wissen, welche Daten zu welchem Unternehmen gehören.

Das bedeutet, Sie besuchen die Betriebe gar nicht vor Ort?

Claus Hornig: Richtig. Uns liegt sehr daran, den Aufwand gering zu halten – aus Kostengründen. Dennoch: Wir prüfen jeden eingereichten Fragenbogen auf Plausibilität und haken, wenn nötig, auch nach. Unsere Aufgabe ist, klar zu formulieren, welche Kennzahlen wir benötigen. Ein Großteil der Fragen lässt keinen Raum für Interpretationen, es gibt nur ein klares „Ja“ oder „Nein“.

Was hat es mit den Handlungsempfehlungen auf sich?

Bendedikt Ruf: Hier sehen wir den direkten Mehrwert. Uns liegt am Herzen, dass die Unternehmer kein reines Theoriemodell erhalten, sondern im Individual-Report gezielt Stellschraubengezeigt bekommen. Gleichzeitig lassen sich aus den Maßnahmen Entwicklungen ableiten. Denn mit dem Marktspiegel können sich Betriebe jährlich mit überschaubarem Aufwand benchmarken.

Marktspiegel Werkzeugbau
Marktspiegel Werkzeugbau, unternehmensspezifischer Report 2018 - Bild: Marktspiegel Werkzeugbau

Herr Hornig, wie wird das Geschäftsmodell beim „Marktspiegel Werkzeugbau“ aussehen?

Claus Hornig: Wir gehen im „Marktspiegel Werkzeugbau“ mit sehr sensiblen Daten und Informationen um, die man als Verantwortlicher in einem Unternehmen nicht leichtfertig aus der Hand gibt, ohne zu wissen, was genau damit geschieht. Um die Initiative am Markt zu etablieren und sie dann auch zielgerichtet weiterzuentwickeln, beteiligen wir die Teilnehmer aktiv in Form einer Genossenschaft. Das bringt für die Beteiligten mehrere Vorteile.

Welche sind das zum Beispiel?

Claus Hornig: Die Generalversammlung besteht aus allen Mitgliedern. So können wirtschaftliche Ziele gemeinschaftlich umgesetzt werden, alles bleibt im Eigentum der Genossenschaft – auch die Daten.

Also quasi eine Initiative aus der Branche für die Branche?

Claus Hornig: Genau. Das Projekt steht und fällt mit der Identifikation der teilnehmenden Unternehmen. Wenn Führungskräfte mit Herzblut dabei sind, bekommen wir valide Daten. Wir streben ein für die Genossenschaftsmitglieder faires Preismodell an – es wird für sie bei 1190 Euro pro jährlichem Report liegen, Nicht-Mitglieder bezahlen 2500 Euro. Alle Einnahmen kommen den Mitgliedern zugute. nh