Vortragssaal

Insgesamt neun Referenten hielten Vorträge zu Themen, die die Branche bewegen. - Bild: werkzeug&formenbau

Hand aufs Herz: Haben Sie eigentlich schon an Ihre Unternehmensnachfolge gedacht? Wenn nein, geht es Ihnen wie vielen anderen Geschäftsführern auch. Oftmals ist man mit der Bewältigung des aktuellen Tagesgeschäfts so beschäftigt, dass kaum Zeit bleibt, um nach links und rechts zu blicken, geschweige denn an die Zukunft zu denken. Fatal wird das Ganze nur dann, wenn man vor dem Austritt aus dem Unternehmen steht und feststellen muss, dass sich von jetzt auf gleich kein würdiger Nachfolger finden lässt. „Gewöhnlich dauern Verhandlungen mehrere Jahre“, erklärte Ulf Herfurth, freier Sachverständiger für Nachfolgereglungen, Unternehmenskontor für Deutschland in Dresden.

Das Video zur Reportage sehen Sie auf Seite 2 in diesem Artikel.

Ulf Herfurth
Ulf Herfurth, freier Sachverständiger für Nachfolgereglungen, Unternehmenskontor Dresden. - Bild: werkzeug&formenbau

Auf dem Anwenderforum für den Werkzeug- und Formenbau in Schmalkalden in Thüringen instruierte er die Teilnehmer, worauf es bei der Unternehmensübergabe innerhalb der Familie oder auch an Dritte ankommt. Von der Strategiefestlegung über die Kaufpreisermittlung bis hin zur Käufersuche und den abschließenden Vertragsverhandlungen gibt es nicht nur auf steuerlich und rechtlicher Basis einiges zu beachten. „Nicht selten kommt es zu Auseinandersetzungen im Familien- oder Gesellschafterkreis“, berichtete Herfurth aus Erfahrung. „Viele Inhaber scheitern daran, die Fakten offenzulegen und dem potenziellen Nachfolger Vertrauen zu schenken. Entscheidungen sind oft sehr emotional und weniger rational gesteuert. Loslassen ist in diesem Prozess ein ganz wesentlicher Punkt. Denn wenn man als Unternehmer nicht dazu bereit ist, wird es nahezu unmöglich, einen geeigneten Kaufinteressenten zu finden und mit ihm auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

Live-Eindrücke auf Facebook

werkzeug&formenbau-Redakteurin Melanie Fritsch war für Sie vor Ort auf dem Anwenderforum und hat ihre Live-Eindrücke auf der Facebookseite der werkzeug&formenbau zusammengefasst.

Georg Paulus
Georg Paulus, Buchautor und Leiter von Seminaren. - Bild: werkzeug&formenbau

Auch Georg Paulus nahm sich auf der Veranstaltung eines Zukunftsthemas an. Der Autor des Buchs „Traumfirma“ gibt regelmäßig Seminare, in denen er die grundlegenden Erfolgsfaktoren für ein menschlich und finanziell florierendes Unternehmen aufzeigt. Paulus ist fest davon überzeugt, dass der Faktor Mensch für die Zukunft ausschlaggebend sein wird, um als Werkzeug- und Formenbaubetrieb langfristig und weltweit wettbewerbsfähig zu sein. Ihm zufolge reicht es beispielsweise nicht, die beste Maschinenausrüstung à la Industrie 4.0 im Betrieb zu installieren. Entscheidend ist, dass sich die Verantwortlichen im Vorfeld die Meinung der Mitarbeiter über diese Investition anhören. Denn letztendlich gilt: Nur wenn die Menschen an den Maschinen vom neuen Equipment überzeugt sind, werden sie sich auch leidenschaftlich damit auseinandersetzen. Paulus betonte: „Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei der gegenseitigen Wertschätzung und Einbindung des Personals. Alles, was die Mitarbeiter wollen, ist eine Kommunikation auf Augenhöhe sowie ein wenig Lob und Anerkennung für ihre Leistung. Alles Punkte, die nichts kosten, aber eine unglaubliche Wirkung auf die Wirtschaftlichkeit des eigenen Unternehmens haben.“

Digitalisierung im Werkzeugbau

Jens Lüdtke
Jens Lüdtke, Tebis AG in Göppingen. - Bild: werkzeug&formenbau

Stichwort: Digitalisierung. Sie schreitet unaufhaltsam voran, deshalb richtete Jens Lüdtke vonTebis AG in Göppingen ausdrücklich den Appell an die Teilnehmer, sich dieser Thematik umgehend zu stellen. Als Prozessspezialist entwickelt er individuell auf die Betriebe angepasste Konzepte und Prozesslösungen und begleitet die Werkzeug- und Formenbauer damit auf ihrem Weg zu einem digitalisierten Werkzeugbau. Lüdtke zeigte den Besuchern Praxisbeispiele auf, wie intelligente Prozesse in einem Unternehmen aussehen könnten und erklärte zunächst ganz allgemein, was man unter einer digitalen oder auch intelligenten Fabrik versteht. Er sprach in seinem Vortrag über Wissenserfassung und Datenhandling ebenso wie über ein adäquates Fehlermanagement oder Standzeitentracking bei Werkzeugen.

Roland Emig
Roland Emig, Samag Saalfelder Maschinenbau. - Bild: werkzeug&formenbau

Roland Emig, Samag Saalfelder Maschinenbau, war ebenfalls Teil des Referententeams und äußerte sich zum Thema Produkte und Prozesse für Industrie 4.0 wie folgt: „Es gibt keine klassischen Maschinenkonzepte im Sinne von ‚Das Werkstück wird in die entsprechend aufgerüstete Maschine gespannt!‘ mehr, sondern Werkstücke bringen im Werkstoffgefüge die Identifikation und die Bearbeitungsaufgabe mit und werden von flexiblen Robotern mit einwechselbaren Werkzeugen im Zusammenwirken mit universellen und flexibel positionierbaren Werkstückaufnahmen bearbeitet beziehungsweise additiv ergänzt.“

Zitat

"Heute hatten wir eine phantastische Mischung zwischen kunststoffbezogener Technik, klassischem Werkzeugmaschinenbau und Zukunftsthemen."

Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost

Auf dem diesjährigen Anwenderforum Werkzeug- und Formenbau, das gemeinschaftlich vom VDWF (Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer) und dem VDMA Ost (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) in Kooperation mit der Hochschule Schmalkalden (angewandte Kunststofftechnik) im September auf dem Hochschulgelände veranstaltet wurde, waren es unter anderem diese vier Vorträge, die sich vom Konzept der Organisatoren aus den vergangenen Jahren abgehoben haben.
Bereits seit gut fünf Jahren üben sich die drei Parteien in ihrer Mission, der Branche eine Plattform zu geben, um sich über aktuelle Themen sowie die neuesten technischen Entwicklungen und Trends zu informieren und gemeinsam in den Austausch zu treten.