Meusburger Platten

Alles aus einer Hand: Alle Platten kommen ebenfalls von Meusburger. Die Konzentration auf einen verlässlichen Partner spart Zeit. – Bild: Meusburger

Termindruck – heute mehr denn je alltäglicher Begleiter in Werkzeugbauprojekten. Für eine Fachmesse im September sollte das Bad Aiblinger Werkzeugbauunternehmen Opticamms Formenbau eine Form für einen aus sechs Kunststoffteilen bestehenden zusammenlegbaren Schuhlöffel erstellen – eine Wechselform, in deren Nestern sich das Griffstück, die vier identischen Mittelteile sowie der eigentliche Schuhlöffel spritzen lassen. Die Werkstückgeometrien selbst sind unkompliziert – es sind keine Schieber notwendig, auch keine mechanische Auswerferei. "Eigentlich ein relativ einfaches Auf-Zu-Werkzeug, bei dem wir die Entformung über Luftauswerfer auf der Düsenseite realisieren wollten", erklärt André Kunze, einer der beiden Geschäftsführer bei Opticamms. "Die Herausforderung liegt eher im Zeit- und Kostenrahmen – der Schuhlöffel soll auf einer Fachmesse präsentiert werden, die im September stattfinden wird. Da zählt jede Woche."

Meusburger Heisskanalwerkzeug im Rendering
Das Heißkanalwerkzeug im Rendering. Gut erkennbar sind die additiv erstellte Vorkammerbuchse blueffect mit Temperierkanal und eines der Zwischenstücke im Formnest. – Bild: Meusburger

In die Angebotsphase gingen die Werkzeugbauer mit zwei unterschiedlichen Konzepten – einer Variante mit konventioneller untemperierter Anspritzung und einer mit Heißkanallösung mit offenen Düsen – je ein Anspritzpunkt pro Formnest. "Das Projekt sollte als Stammform mit den jeweiligen Werkzeugeinsätzen realisiert werden", erklärt Kunze. "Gespritzt werden sollen immer vier Teile – bei einer ersten Serie von 10 000 Stück also in vier Nestern mit zehntausend Schuss 40 000 Mittelteile und in jeweils zwei Nestern das Griffstück und der Löffel – in 5000 Schuss."

"Mit den neuen Möglichkeiten sind wir sofort aussagefähig, und der Kunde sieht in der Entscheidungsphase, was er bekommt." André Kunze, Geschäftsführer Opticamms Formenbau GmbH (Bild: Opticamms Formenbau)

Gemeinsam mit ihrem Entwicklungspartner Jell aus Bernau boten die Werkzeugbauer dem Kunden ihre Konzepte an. "Schnell war klar: Die Lösung ohne Heißkanal war zwar die mit der kleineren Investitionssumme, die weit wirtschaftlichere Variante war indes die Heißkanalform", erinnert sich Kunze. "Mit kürzeren Zykluszeiten, einer besseren Werkstückqualität und der Möglichkeit, den Anspritzpunkt in einem verdeckten Bereich des Werkstücks zu realisieren, ist der Heißkanal auch technisch die weit elegantere Lösung."

Meusburger Heisskanalwerkzeug und blueffect-Vorkammerbuchse
Mit dem Meusburger-Heißkanalwerkzeug und der blueffect-Vorkammerbuchse lassen sich die Teile des Schuhlöffels – im Vordergrund ein 3D-Prototyp – schnell und wirtschaftlich produzieren. – Bild: Meusburger

In Sachen Normalien, aber auch beim Heißkanal setzen die Bad Aiblinger Werkzeugbauer auf Produkte von Meusburger. "Es ist unsere Strategie, möglichst auf wenige, dafür aber verlässliche und in unserem Sinn handelnde Partner als Zulieferer zu setzen", betont Kunze. "Wir haben keinen eigenen Einkauf. Klar lässt sich im Vergleich zwischen den jeweils relevanten Anbietern sicher in vielen Fällen der eine oder andere Cent sparen – andererseits kostet das auch Zeit. Die ist meist teurer als die eventuellen Einsparungen. Und wenn man die richtigen Rahmenbedingungen aushandelt, ist der Unterschied gar nicht so groß. Man sollte sich darauf konzentrieren, womit man sein Geld verdient. Und: Aus gegenseitigem Vertrauen entstehen Flexibilität und Schnelligkeit."

"Jetzt läuft die Heißkanalbestellung einfacher und schneller – wir sparen uns im Schnitt ein bis zwei Wochen." Thaddäus Jell, Geschäftsführer Jell GmbH & Co. KG (Bild: Jell)

Für Normalien müssen Werkzeugbauer in der Regel keine Angebote einholen – wer beispielsweise auf der Webpräsenz von Meusburger in den Shop geht, kann sich seine Form aus den einzelnen Komponenten zusammenklicken und hat sofort Lieferfristen und Preise im Blick. "Anders war das bislang beim Thema Heißkanal", berichtet Thaddäus Jell, Geschäftsführer beim Entwicklungspartner Jell. "Hier mussten wir bislang meist mehr als eine Woche auf das Angebot warten – gerade bei zeitkritischen Projekten ein nicht zu unterschätzender Faktor."

Meusburger Konfigurator im Detail
Schritt für Schritt führt der Konfigurator den Anwender auf der Webpräsenz von Meusburger durch die relevanten Parameter bis hin zum fertigen Heißkanalwerkzeug. – Bild: Meusburger

Mit dem Heißkanalspezialisten PSG aus Viernheim hat Meusburger nun auch diese Kompetenz im Haus – also setzen Opticamms und Jell auch beim Heißkanal auf Meusburger. "Seit Kurzem lassen sich für einfachere Spritzgießanwendungen auf dem Internetauftritt von Meusburger ganze Heißkanalformen online konfigurieren – mit allen Details inklusive Preis", erklärt Jell. "Das geht schnell, einfach und transparent, und es erleichtert nicht nur dem Konstrukteur das Leben beträchtlich."

Gerade die hohe Transparenz, die klare Strukturierung bei der Auswahl und die detaillierte visuelle Darstellung überzeugt: "Während unseres Angebotsgesprächs beim Kunden konnten wir auf seinem Rechner die Heißkanalform in kürzester Zeit vor den Augen unseres Interessenten erstellen – in der Online-Maske der Meusburger Seite", ergänzt Kunze. "Das sehr transparente Vorgehen und die Fähigkeit, sofort über Machbarkeit, technische Details, aber auch über die Kosten Auskunft geben zu können, war für den Kunden wohl mit ein ausschlaggebender Faktor, uns mit dem Projekt zu betrauen."

Das sagt die Redaktion

Schneller zum Heißkanal
Zwar wird man ein Stoßfängerwerkzeug oder eine Form mit komplexer Anspritzung auf diese Weise noch lange nicht zusammenstellen können – für das Gros der Werkzeuge kann der Konfigurator eine große Hilfe sein: Schnell, intuitiv und mit ein paar Klicks kommen Anwender mit den neuen Konfigurationsmöglichkeiten zur kompletten Heißkanalform. Das, was früher Wochen gedauert hat, ist jetzt binnen Minuten erledigt – gerade angesichts der immer kleiner werdenden Zeitfenster für Werkzteugbauprojekte ein unschätzbarer Vorteil. Positiv sind der transparente Aufbau, die nachvollziehbare Vorgehensweise und die klare visuelle Darstellung – so kann auch der Kunde sehr schnell verstehen, wie der Werkzeugmacher sein Werkzeug optimiert. Und die Daten lassen sich direkt in die Konstruktion übernehmen. Sehr angenehm, dass sich der Konfigurator vollumfänglich nutzen lässt, ohne dass sich der Anwender anmelden muss – so kann man dieses neue Feature erst einmal ausgiebig testen. Richard Pergler

Ohne Anmeldung zur optimalen Heißkanalform

Daten im Meusburger-Konfigurator
Die Daten aus dem Meusburger-Konfigurator lassen sich direkt ins CAD übernehmen. – Bild: Meusburger

Der Konfigurator ist ein frei zugängliches Tool, das im Browserfenster läuft und anonym von jedem Nutzer verwendet werden kann. Ohne große Vorkenntnisse lassen sich aus Drop-Down-Menüs und mit der Eingabe relevanter Parameter effiziente Heißkanalsysteme zusammenstellen. Die entstehenden Daten können direkt ins CAD übernommen werden: "Wir kamen sehr schnell zu einer Version, die unseren Kunden überzeugte – er bestellte bei uns die Heißkanalform. So wurden vom Konfigurator einfach Daten erzeugt, indem Nestabstände selbst festgelegt wurden. Die Daten wurden heruntergeladen – wir konnten sie direkt in Visi übernehmen und weiterbearbeiten", berichtet Jell. "Die Konfiguration ist vollständig – mit allen Einbauräumen und Schnittstellen."

Ein sehr nützliches Tool – aber nicht für jeden Anwendungsfall: "Natürlich wird man den Heißkanal komplexerer Werkzeuge nach wie vor von einem Experten des Herstellers konfigurieren und kalkulieren lassen", erklärt Jell. "Der Konfigurator ist dazu gedacht, dass man bei einem großen Anteil der einfachen Standardanwendungen schnell und einfach am Bildschirm ganze Heißkanalformen erstellen kann. Das funktioniert für immer mehr Anwendungsfälle. So erforderte es nur ein paar Mausklicks, um unserem Kunden zu zeigen, welche Konsequenz es für die Auslegung des Systems hat, wenn man einen anderen Kunststoff spritzen will." Letztlich wählte man als Werkstoff ein PC ABS. Pro Schuss ergab sich für alle vier Formnester ein Gewicht von rund 60 g.

Die Möglichkeiten des Konfigurators werden in Zukunft erweitert – so werden zahlreiche gefüllte Kunststoffe auswählbar. "Auf Anfrage prüfen bei PSG Experten, ob alles plausibel ist", fügt Jell hinzu. "Aber jetzt läuft die Heißkanalbestellung einfacher und schneller – wir sparen uns im Schnitt ein bis zwei Wochen."

Profil

Opticamms Formenbau und Jell
Die beiden Unternehmen Opticamms Formenbau und Jell ergänzen sich optimal: Jell ist Entwicklungs- und Konstruktionspartner, und Opticamms setzt die Projekte im Formenbau um. Damit bieten die beiden Partner ein intesessantes Komplettpaket aus einer Hand. Opticamms verfügt neben dem Formenbau über ein leistungsfähiges Spritzgieß-Technikum, auf dessen Maschinen über das Abmustern hinaus, zunehmend auch Kleinserien und Serien für externe Kunden gespritzt werden. Eine der Spezialitäten von Jell ist die Vorkammerbuchse blueffect, deren additiv erzeugte konturnahe Temperierung eine kontrollierte Temperaturführung rund um den Angusspunkt erlaubt – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf Prozess und Kunststoffbauteil.

Für optimale Qualität und kurze Zykluszeiten setzen die Werkzeugbauer auf eine von Jell entwickelte Vorkammerbuchse: "Die blueffect-Vorkammbuchse ermöglicht uns eine neue, wegweisende Systemlösung für sehr hochwertig gekühlte Formeinsätze", verspricht Jell.

André Kunze (Opticamms, Mitte) und Thaddäus Jell (Jell, rechts) mit Meusburger-Gebietsverkaufsleiter Rolf Sigmund
Abstimmungsgespräch: André Kunze (Opticamms, Mitte) und Thaddäus Jell (Jell, rechts) legen mit Meusburger-Gebietsverkaufsleiter Rolf Sigmund (links) letzte Details der Form fest. – Bild: Meusburger

"blueffect erhöht Prozesssicherheit, Standzeiten und Qualität. Die Buchse ermöglicht eine punktgenaue Temperierung und isoliert die heiße Düse von der Umgebung am Einspritzpunkt – der Wärmeeintrag kann mit unserem platzsparenden und dichten Bauteil deutlich genauer und besser kontrolliert werden. Mit blueffect verkürzen sich die Zyklen, und die Kunststoffteile werden präziser."

Opticamms und Jell konnten ein überzeugendes Paket schnüren und dank Konfigurator die Umsetzung plausibel darstellen: "Klar, übersichtlich und für den Kunden nachvollziehbar", bestätigt Kunze. "So sind wir sofort aussagefähig, und der Kunde sieht, was er bekommt. Wir sparen Zeit – so ist das Werkzeug schneller beim Kunden." vg

Trends µ-genau

Transparente Konfiguration
Im auf jedem Browser lauffähigen Webshop auf dem Online-Auftritt des Normalienspezialisten Meusburger ist seit Kurzem ein Konfigurator für Formen mit Heißkanal integriert. Zusätzlich zum Formaufbau kann der Anwender nun auch den passenden Heißkanalverteiler online erstellen: Das konfigurierte System kann direkt in 3D visualisiert werden – live am Bildschirm. Der Konfigurator führt mit wenigen Schritten nachvollziehbar und sehr transparent durch die Auswahl relevanter Parameter und erstellt dabei den kompletten Formaufbau mit standardisiertem Heißkanalverteiler. Abgefragt werden unter anderem Parameter wie die Düsenanzahl, der Verteilertyp, Werkzeugstahl, die Art des Kunststoffs (hier werden die Werkstoffe laufend erweitert), das Schussgewicht und Positionierung der Anschnitte festgelegt. Wenn standardisierte Werte – etwa der Winkel – eingehalten werden, lassen sich auch gleich die Kühlbohrungen inklusive Stopfen und Anschlüssen am Bildschirm definieren. Die CAD-Daten von Heißkanalverteiler und Formaufbau lassen sich sofort ins CAD übernehmen und weiter bearbeiten. Beim Konfigurieren werden die einzelnen Eingaben vom System auf Plausibilität überprüft, damit die erstellte Lösung auch garantiert funktionsfähig ist. Und bei Bestellung – die ist nach Abschluss der Konfiguration nur einen weiteren Mausklick entfernt – prüft auf Anfrage auch noch ein "menschlicher" Experte die optimale Konfiguration.