Sinterstationen bei Kegelmann Technik

Die Sinterstationen bei Kegelmann Technik sind allesamt Modelle von 3D Systems. - Bild: werkzeug&formenbau

Additive Technologien – genauer die Stereolithographiemaschine mit der Nummer 5 von 3D-Druck-Pionier Chuck Hull – waren von Anfang an die Grundlage des Unternehmens Kegelmann Technik. "Es kommt immer darauf an, was der Kunde braucht", betont Geschäftsführer Stephan Kegelmann. "Wir setzen bei allen Projekten sehr gezielt die Technologien ein, die den optimalen Nutzen für unseren jeweiligen Kunden sicherstellen."

Senkerodieren
Auch das ist Kegelmann Technik - klassische Verfahren wie das Senkerodieren sind ganz selbstverständlich neben den additiven Techniken im Einsatz. - Bild: werkzeug&formenbau

Dem 3D-Pionier und dem von ihm gegründeten Unternehmen 3D Systems sind die Rodgauer übrigens treu geblieben: Vor kurzem kam zum umfangreichen Maschinenpark, der sowohl konventionelle als auch additive Technologien umfasst und unter dem Stichwort "Connected Prototyping" passgenaue Lösungen für unterschiedlichste Anwendungsfälle bietet, eine Stereolithographiemaschine der neuesten Generation ins Haus – eine ProX 800 von 3D Systems, die beispielsweise für sehr exakte Urformmodelle genutzt wird.

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Was einst vor 28 Jahren als "One-man-show" begonnen hatte, entwickelte sich nach und nach zu einem der renommiertesten Prototypenbauer. Neben der Stereolithographie sind in der Zwischenzeit eine Vielzahl weiterer Technologien ins Umternehmen gekommen – neben "klassischen" zerspanenden Verfahren immer wieder auch additiv arbeitenden Maschinen. "Dabei ging es niemals um die Technologie als Selbstzweck", betont der Experte. "Letztlich steht bei jeder Beschaffung der Nutzen im Fokus, den wir damit unseren Kunden zusätzlich bieten können."

Zitat

"Wir setzen bei allen Projekten sehr gezielt die Technologien ein, die den optimalen Nutzen für unseren jeweiligen Kunden sicherstellen."

Stephan Kegelmann

Weder Allheilmittel noch Selbstläufer

Stephan Kegelmann
Stephan Kegelmann, Geschäftsführer Kegelmann Technik. - Bild: werkzeug&formenbau

Dabei sind die 3D-Techniken weder Allheilmittel noch Selbstläufer. "Im Gegenteil", erklärt Kegelmann. "Viele Kunden kennen entweder nur einzelne Aspekte oder Verfahren oder hatten noch nie mit diesen Technologien zu tun – es ist also sehr erklärungsbedürftig, speziell, wenn es darum geht, zu zeigen, was hierbei alles möglich wird." Das fängt damit an, dass man schon bei der Konzeption komplett umdenken muss. "Auch die Konstruktion für Verfahren des Additive Manufacturing, kurz AM, erfordert völlig andere Ansätze als etwa für klassische Verfahren im Werkzeugbau", fügt er hinzu. "Das Wissen und Können als Werkzeug-, Modell- und Formenbauer ist zwar eine gute Voraussetzung. Aber die neuen Technologien erfordern in vielerlei Hinsicht auch ein neues Denken und ein völlig anderes Vorgehen als beispielsweise zerspandende Verfahren. Hier gilt es, bestehendes Wissen und Können intelligent mit den Möglichkeiten der neuen Technologien zusammenzuführen und sehr spezielles Know-how aus unterschiedlichsten Sparten zu erwerben und richtig einzusetzen." Denn man sollte sehr genau wissen, was man macht – dann allerdings lassen sich Projekte realisieren, die vorher nur allzu oft als "nicht machbar" eingestuft waren.

Aufgebautes Werkstück
Aufgebautes Werkstück. Gut sichbar sind die Supportstruktren, die im Nachgang zum Bauprozess entfernt werden müssen. - Bild: werkzeug&formenbau

Vom gegenwärtigen Hype um die additiven Verfahren und dem "Wildwuchs" auf diesem Sektor hält Kegelmann indes nicht viel. "Innovation allein um der technischen Möglichkeiten willen – das wäre aus meiner Sicht der falsche Weg", betont der Praktiker. "Die Überlegung bei jeder Technologie – nicht nur den additiven Verfahren – muss immer sein: Wie passt das ins Gesamtkonzept? Und wie kann das dem Kunden am besten nützen?

Die Technik an sich ist zwar möglicherweise faszinierend, aber sie ist ja kein Selbstzweck. Deshalb: Es gibt eine Anzahl an Verfahren am Markt, die wirklich sinnvoll sind, und die sollte man auch konsequent in seine Überlegungen einbeziehen. Aber beileibe nicht jede neue Maschine, nicht jeder neue Ansatz ist wirklich sinnvoll oder wird sich in der Praxis etablieren können, auch wenn der Weg technologisch noch so reizvoll sein sollte."

Das sagt die Redaktion

Sinnvolle Verknüpfung in der Prozesskette

Es kann durchaus sinnvoll sein, jetzt in die Technologie der additiven Verfahren einzusteigen. Allerdings sollte man sich im Vorfeld schon sehr genau Gedanken darüber machen, welche Komponenten mit welchen Anforderungen wie zu realisieren sind, welche Eigenschaften die Teile haben müssen und insbesondere, wie die Prozesskette vor und nach der additiven Maschine aussehen soll. Denn letztendlich ist es doch stets der Nutzen, der den Einsatz einer Technologie rechtfertigt. Und der wird sich meist in einer gekonnten Kombination mehrerer Verfahren am Besten erzielen lassen – schließlich müssen sich die gefertigten Werkstücke ja in der Regel auch wirtschaftlich auszahlen. Deshalb: Eine Maschine allein aufgrund der faszinierenden Technologie zu kaufen, ohne bereits im Vorfeld genau zu wissen, welche Teile wie damit gefertigt werden können und wo gegebenenfalls noch Potenzial erschlossen werden kann, wäre mehr als leichtfertig. Das ist vor einer Beschaffung zu bedenken – so, wie bei jeder anderen Investition ja auch. Oder? Richard Pergler